Manuel Rubey - Textausschnitt

aus dem Buch "Einmal noch schlafen, dann ist morgen" von Manuel Rubey - ein Loblied auf das Jetzt!

Liebe Menschen, ich bemerke, dass ich Ihnen immer wieder gerne etwas sagen möchte, also wundern Sie sich bitte nicht, wenn ich Sie zwischendurch direkt anspreche. Wie geht es Ihnen heute? Haben Sie schon etwas in Echtzeit gemacht?

Ich will weder die Vergangenheit hochhalten im Sinne von „früher war alles besser“ noch Social Media oder das Internet verdammen, aber ich war letztens wieder einmal bei meinem Vater in der Wohnung, der wahrscheinlich glaubt, dass es sich beim Begriff Social Media um irgendeine soziale Anlaufstelle einer NGO im Internet handelt. Auf die Wand seiner Küche schreibt er mit Bleistift Sätze, die ihm unterkommen oder einfallen. Ich glaube in diesem Punkt ist er sehr modern, er nimmt es mit der Autorenschaft nicht so genau, copy and paste sozusagen. Es stehen viele schöne Sätze auf dieser Wand, und ich bin auch sicher, dass ihm viele davon selbst eingefallen sind. Bei einem blieb ich hängen:

AUF DER WAND DES VATERS

Mit dem Ende der Langsamkeit beginnt die Gewalt.

Ich bin in vielerlei Hinsicht altmodisch, und ich merke, dass ich das mit zunehmendem Alter auch zu kultivieren beginne. Ich will mich nicht mehr stressen lassen. Diese altwienerische Redensart „Nur ned hudln“ ist schon super. In Stuttgart sagen sie „Nur net hudle“, was während der Dreharbeiten für einen „Tatort“ die Rechtfertigung für so ziemlich alls war, was sich an diesem Tag nicht mehr ausgehen würde, obwohl es sich nach menschichem Ermessen dreimal ausgegangen wäre. Ich spreche also nicht vom Owezahn, wie man es in Wien nennen würde, sondern vom Luxus, über seine Zeit frei zu verfügen. nicht zu viel in einen Tag reinzupacken, in Kauf zu nehmen, wenn die Straßenbahn einmal zu spät kommt oder gar so viel Zeit einzurechnen, dass man noch die Schuhe polieren und den Weg vielleicht zu Fuß gehen kann, ohne der schönen Tugend Pünktlichkeit nicht die Ehre erweisen zu können.

Ich habe auch die altmodische Angewohnheit, ganze Musikalben zu konsumieren. Weil ich mir denke, der Künstler, die Künstlerin hat isch etwas überlegt bei der Reihenfolge und warum gerade diese Stücke zusammengetragen wurden. Beim Kochen halte ich mich strikt an die Rezeptur, weil für mich klar ist, dass sich auch hier jemand etwas überlegt hat, und ich hasse es, wenn im Radio der Moderator, die Moderatorin in den Song hineinplappert, wenn dieser noch nicht zu Ende gespielt ist. Warum tun sie das? Wollen sie unter Beweis stellen, dass sie noch leben, also arbeiten?

 

Das Buch ist erschienen im MOLDEN Verlag.

Wir freuen uns, Manuel Rubey bei uns zu haben!

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